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Liner Notes „Spiegel”
Did You Ever See The Devil, Uncle Joe

Während dieser Live-Aufnahme begann es vor meinem Fenster dermaßen zu schütten, dass ich mir nicht sicher war, ob ich nicht doch lieber mit dem Tischler gegenüber eine Arche bauen sollte. Der Regen hämmert dabei manchmal lauter als mein Vortrag: http://paulplut.com/dl/1248/. Die reduzierte Form des Songs und sein Lofi-Sound ist eine Hommage an Alen Lomax. Der Musikwissenschaftler fuhr Anfang der 1960er Jahre durch die Südstaaten und recordete Musik in lokalen Communities, abseits irgendwelcher Bühnen. Wer die Momentaufnahmen hört, weiß, dass diese Lieder nicht für ein Publikum geschrieben wurden. Sie erfüllten ganz andere Funktionen: Sie wurden gesungen, um die Arbeit auf den Feldern erträglich zu machen, um Kinder in den Schlaf zu singen, um Trost in der Gemeinschaft zu finden. Meine Lieder vom Tanzen und Sterben (und besonders diese skelettartige Demo von „Spiegel”) sind stark inspiriert von diesen authentischen Feldaufnahmen. Wer im Sommer Zeit hat, dem lege ich vor allem diese beiden Alben ans Herz: I’ll Meet You On The Other Shore und I’ll Be So Glad When The Sun Goes Down.


Songtext

I hob’s guat gmoat mit meine Leit
Wos ma bleibt san vü Sorgen und weisse Hoar
Sog i leise indn Spiagl
Überm Bodezimmerschronk

Wos hots da gnutzt des guade Leben
Heit bist a Höd und morgen bist hin
Sogt da Teifi drin im Spiagi
Überm Bodezimmerschronk

I dat mei foitigs Herz eitauschen
Gegen guate weisse Zähn
Mi dat boid da Glaubn valossen
Wa i groß und stork und sche

Gib ma dei Sö, dei guate Haut
I moch di jung und neama kronk
Sogt a leise drin im Spiagl
Überm Bodezimmerschronk

Moast es donkt da wer am End vom Tog
Fia des gonze guate Leben
Zum Schluss bist nur a schena Trottel
In dein Bodezimmerschronk

Credits
Musik, Text, Aufnahme, Mix und Master von Paul Plut
Foto von Julian Simonlehner