SECRET SHOW mo.e – David Reiterer

David Reiterer, mein Freund und VIECH-Kollege, war auch bei der Secret Show. Er hat mir am nächsten Morgen diesen Text geschickt:

Paul Plut. Secret Show. So wenig Abwechslung wie die Anfangsbuchstaben dieser beiden Wortpaare hergeben, so viel gibt es zu erleben bei einem Geheimkonzert des Liedermachers. Ein spezieller Abend der sich anziehenden Widersprüche.

Gerade mal 20 Leute sind geladen, an einen Ort der Freien Kunst im 16. Wiener Bezirk. Paul Plut führt seine “Lieder vom Tanzen und Sterben” für ein in Anzahl limitiertes, in Euphorie unlimitiertes Publikum auf.

Vor dem Konzert gibt es für die Gäste Tee und Bier, es läuft leise Musik im Hintergrund. Wie von der Aura des Raumes gesteuert finden sich die Gäste pünktlich um 20.00 auf den Bänken und Sofas die vor der Bühne aufgestellt wurden. Diese Bühne, eher ein Raum im Raum, ein sympathische konstruiertes Provisorium, betritt Paul Plut Momente später. Es wird mucksmäuschenstill, man hört die Stimmung, man spürt die Magie. Der Sänger beginnt, den Menschen spannende Geschichten zu erzählen, eine nach der anderen. Jedes Lied steht für sich und führt die Zuhörerinnen und Zuhörer von einer Gedankenwelt in die nächste. Eingekleidet werden diese Welten von Stimme, Gitarre, Hallfahnen und einer eigens konstruierten Stompbox, für die man eigentlich Patent anmelden muss. Entweder es sind raffiniert getimte Abfolgen oder aber die Stimmung – eine Summe aus Künstler, Publikum und Raum – die jedes Mal, wenn der Sänger auf oder von dieser Stompbox steigt, die perkussiven Geräusche, wohl noch nicht gewollt aber trotzdem hörbar, wohlwollend in den musikalischen Moment einfügen. Lieder werden gesungen, mal leise akustisch, mal laut und mit Bottleneck. Die Stimmung kocht in ihrer Intimität.

Da überrascht es auch nicht, dass just in dem Moment, als der Sänger die Inspiration durch seine steirische Heimat erwähnt, ein alter Freund aus Kindheitstagen mit einem Klack eine Bierdose öffnet und seinen lautmalerischen Teil zu den erzählten Geschichten aus der Ramsau beiträgt, als wollte er sagen “Genau so war’s, und die Bierdosen klingen noch genau so wie damals”.

Plut entführt seine Gäste nicht nur ins Ennstal, sondern auch nach Spanien, Mexiko und in die Hölle. Gegen Ende des Konzerts trägt auch der Raum noch das seinige zu diesem gelungenen Abend bei. Jedes mal wenn auf der Gitarre ein bestimmter Ton klingt, schwingt ein loses Blechstück im Raum und untermalt das Lied. Nach anfänglicher Überraschung gutiert das auch der Liedermacher. Dezent, indem er einen kaum erkennbaren Grinser in seinen Schnauzbart schiebt um sich dann wieder zurück in das Lied fallen zu lassen. Das Publikum will nach erster Verabschiedung mehr. Und bekommt ein andächtiges Volkslied und eine letzte Eigenkomposition. An deren Ende verabschiedet sich Paul Plut in einer Loop-Wand aus Klang von der Bühne. Das Publikum bleibt und bleibt sitzen, ruhig und berührt.

Wenige Minuten später steht der Künstler wieder als einer von vielen unter den Leuten, plaudernd, als wäre nichts passiert. Und doch hat die Hand voll Leute in dieser Stunde was ausserordentlich Besonderes erlebt.