Kinder vom Meer

Kopie meines Newsletters

Hallo,

heute hörst du das siebte von insgesamt zehn Liedern meines im Oktober erscheinenden Albums. Wir sind „über den Berg”, sozusagen. Von hier oben haben wir einen guten Blick auf das, was unter uns liegt. Und das sind schlafende Welten in Schichten. Alles, was diese Landschaft je bewohnt hat, wurde und wird vom Erdboden verschluckt. Verrottete Pflanzen, zu Staub zerfallene Tiere, die Gräber der Menschen, die mit wieder eins geworden sind mit den Steinen. Die Ursuppe hat sie ausgespuckt und wieder verschlungen. Und unentwegt steigen neue Kinder aus den Körpern ihrer toten Mutter. Eine Millionen Jahre alte Kette rattert gleichmäßig vor sich hin. Sie ist geschmiert mit Salz und Blut. Auf der Infotafel des Sattelberger Kinderlehrpfads steht in bunten Lettern „Hier siehst du versteinerte Tiere aus der Vorzeit, als die Welt mit Wasser bedeckt war.“ Das heutige Lied heißt Kinder vom Meermp3 / bandcamp / spotify / youtube

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Katzenburg

Kopie meines Newsletters

Hallo,

der Lockdown ist vorbei und wir alle atmen auf. Meine Freund:innen im Kulturbetrieb arbeiten rund um die Uhr und zur Aufbruchsstimmung mischt sich großer Druck. Wenn man von Projekt zu Projekt hastet, vergisst man schnell auf’s Luftholen, und die altbekannten Gespenster sind nicht mehr weit.

Das heutige Lied ist nicht unter den Gestirnen des kommenden Albums zu finden. Ich habe eine Zwischenwelt im Kopf – genau in der Mitte der Tracklist markiert es diesen uralten Ort zum Ausrasten und Durchschnaufen. Das Schutzhaus vor dem Donnerwetter. Die steinerne Kapelle in der Mittagshitze. Der Hafen, die Oase, die White Lodge, das Haus der Magierin, die Katzenburg: Eine Ruine im tiefen Wald zwischen Schwarzbeerstauden und Eierschwammerln: mp3 / bandcamp / spotify

Zum Lied gibt es ein Live-Video von They Shoot Music aus der Königshöhle in der Nähe von Baden: https://youtu.be/AALzlssrvG0

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Eitelkeit

Kopie meines Newsletters

Hallo,

vor einem Monat lag noch kniehoch Schnee in Ramsau am Dachstein. Am Nachmittag, als ich ankam, donnerte eine Lawine ins Tal. In weiter Ferne stiegen winzige weiße Wolken auf, als hätte jemand den Staubzucker von einem Faschingskrapfen geblasen. Erst das gewaltige Donnern, das zeitverzögert bei mir ankam, rief mir die gewaltige Wucht dieser Schneemassen in Erinnerung.
Manche Leute erklären mir, dass sie an die Natur glaubten. An Mutter Erde, die alles in Balance hielte. Mütterlich kommt mir diese Natur nicht vor. Manchmal tobt sie aus heiterem Himmel wie ein launisches Geschwisterchen, das wütend beginnt, um sich zu schlagen. Einen Augenblick später, ohne den Anflug einer Entschuldigung, legt sie sich wieder zur Ruhe, streckt den Arm nach mir aus und lässt mich an ihrer Seelenruhe teilhaben.
Am Nachmittag hören wir die Propeller der Bergrettungs-Hubschrauber. Sie kreisen am strahlend blauen Himmel bis die Sonne untergeht.

Eines Tages wird das Geschwisterchen todmüde sein. Es wird die Sonne bei der Hand nehmen und gemeinsam werden sie sich zur Ruhe legen. An diesem Tag wird alles, das wir kennen, und alles, woran wir uns erinnern, zu Staub zerfallen.
Das heutige Lied schaut in den Abgrund: Eitelkeit (mp3 / bandcamp / spotify).

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B320

Kopie meines Newsletters

Hallo,

das Lied, das ich dir heute schicke, bewegt sich entlang der Ennstal-Bundesstraße (B320). Die Straße führt auf 78 Kilometern von Altenmarkt bis Liezen. In keinem anderen österreichischen Bezirk gibt es so viele Verkehrstote wie hier. Ich hatte vor vielen Jahren auch einen schweren Autounfall. Darum geht es aber nicht in diesem Lied. Das Thema ist die Wiederholung dieser Erinnerung, wenn ich die Kreuzerl am Straßenrand passiere, wenn ich in die Heimat fahre, und das dumpfe Echo der Felswände höre, die das laute Scheppern scheinbar endlos zurückwerfen: mp3 (nur per Newsletter) / bandcamp / spotify

Zu dem Lied gibt es auch ein neues Musikvideo von Regisseur David Lapuch und seinem tollen Team. Als Kulisse haben sie die Ebene vor dem Grimming gewählt, der sich so pixmitten in die Ebene stellt. Ich bin von dem kurzen Film sehr berührt.

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