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Liner Notes „Spiegel”

Did You Ever See The Devil, Uncle Joe

Während dieser Live-Aufnahme begann es vor meinem Fenster dermaßen zu schütten, dass ich mir nicht sicher war, ob ich nicht doch lieber mit dem Tischler gegenüber eine Arche bauen sollte. Der Regen hämmert dabei manchmal lauter als mein Vortrag: http://paulplut.com/dl/1248/. Die reduzierte Form des Songs und sein Lofi-Sound ist eine Hommage an Alen Lomax. Der Musikwissenschaftler fuhr Anfang der 1960er Jahre durch die Südstaaten und recordete Musik in lokalen Communities, abseits irgendwelcher Bühnen. Wer die Momentaufnahmen hört, weiß, dass diese Lieder nicht für ein Publikum geschrieben wurden. Sie erfüllten ganz andere Funktionen: Sie wurden gesungen, um die Arbeit auf den Feldern erträglich zu machen, um Kinder in den Schlaf zu singen, um Trost in der Gemeinschaft zu finden. Meine Lieder vom Tanzen und Sterben (und besonders diese skelettartige Demo von „Spiegel”) sind stark inspiriert von diesen authentischen Feldaufnahmen. Wer im Sommer Zeit hat, dem lege ich vor allem diese beiden Alben ans Herz: I’ll Meet You On The Other Shore und I’ll Be So Glad When The Sun Goes Down.


Songtext

I hob’s guat gmoat mit meine Leit
Wos ma bleibt san vü Sorgen und weisse Hoar
Sog i leise indn Spiagl
Überm Bodezimmerschronk

Wos hots da gnutzt des guade Leben
Heit bist a Höd und morgen bist hin
Sogt da Teifi drin im Spiagi
Überm Bodezimmerschronk

I dat mei foitigs Herz eitauschen
Gegen guate weisse Zähn
Mi dat boid da Glaubn valossen
Wa i groß und stork und sche

Gib ma dei Sö, dei guate Haut
I moch di jung und neama kronk
Sogt a leise drin im Spiagl
Überm Bodezimmerschronk

Moast es donkt da wer am End vom Tog
Fia des gonze guate Leben
Zum Schluss bist nur a schena Trottel
In dein Bodezimmerschronk

Credits
Musik, Text, Aufnahme, Mix und Master von Paul Plut
Foto von Julian Simonlehner

#07 KLATSCH

NEWSLETTER #07 KLATSCH

Livevideo TV
https://www.youtube.com/watch?v=49pDaaO2FhA
https://www.youtube.com/watch?v=OBLjZuHtJ_s
Liner Notes
In den vergangenen drei Jahren habe ich gleich drei Mal meinen Proberaum gewechselt. Das Lied „Klatsch” ist dabei immer mitgezogen. Die erste Demo stammt vom 7. August 2015: klatsch_demo1.mp3. Dieser Keller war früher eine Bikerbar – eine Südstaaten-Flagge war an die Backsteinwand gesprayt. Der Raum war stickig und feucht, aber lag auch gleich um’s Eck von meiner alten Wohnung. Der nächste Edit ist ein halbes Jahr später im nächsten Proberaum zwischen Ottakringer-Brauerei und Mannerschnitten-Fabrik entstanden: klatsch_demo2.mp3. Für die Albumversion habe ich das Mikrophon wie eine Taschenlampe eingesetzt. Das Becken schwingt in langsamen Schüben, der Radio rauscht im Takt und der Holzboden ächzt: klatsch_sounds.mp3. Bisher habe ich mit dem Lied „Klatsch” meine Konzerte begonnen. Mit dem Fm9-Akkord öffne ich den Vorhang und lade das Publikum ein, in meine Musik einzutauchen. Zum Abschluss schenke ich dir noch ein kleines Video zur Live-Version von „Klatsch”. paulplut.com/07-klatsch / klatsch_live.mp3

Songtext

Wir hobn koa Ongst
Wir hobn koa Ongst
Wir hobn koa Ongst

Wir san nur Fleisch
Wir san sunst nix
Owa damit nit aloa

Wir werdn so laut klatschn
Das koana heat
Wonn d’Wöt mit am Tuscher untageht

Wenns finsta wird
Wenn d’Sunn vaschwindt
Wennst Trommin heast
Wenns dusta wird
Klatsch in deine Händ

Wir hobn koa Stimm
Wir hobn die Toten
Wir hoben koa Ongst

Wenns finsta wird

Wenn da Bodn vibriert
Wenns in Himmi spoit
Wenn da Berg aufreißt

Wenn die Ongst okriacht
Wenn d’Ross ausschean
Wenn d’Sunn ausgeht
Wenn d’Wöt aufheat

Klatsch in deine Händ

Credits
Musik, Text, Aufnahme, Mix und Master von Paul Plut
Foto von Julian Simonlehner