Kinder vom Meer

Kopie meines Newsletters

Hallo,

heute hörst du das siebte von insgesamt zehn Liedern meines im Oktober erscheinenden Albums. Wir sind „über den Berg”, sozusagen. Von hier oben haben wir einen guten Blick auf das, was unter uns liegt. Und das sind schlafende Welten in Schichten. Alles, was diese Landschaft je bewohnt hat, wurde und wird vom Erdboden verschluckt. Verrottete Pflanzen, zu Staub zerfallene Tiere, die Gräber der Menschen, die mit wieder eins geworden sind mit den Steinen. Die Ursuppe hat sie ausgespuckt und wieder verschlungen. Und unentwegt steigen neue Kinder aus den Körpern ihrer toten Mutter. Eine Millionen Jahre alte Kette rattert gleichmäßig vor sich hin. Sie ist geschmiert mit Salz und Blut. Auf der Infotafel des Sattelberger Kinderlehrpfads steht in bunten Lettern „Hier siehst du versteinerte Tiere aus der Vorzeit, als die Welt mit Wasser bedeckt war.“ Das heutige Lied heißt Kinder vom Meermp3 / bandcamp / spotify / youtube

Zum Song gibt es ein Video von JJ Ramsauer. Wir kommen aus derselben Gemeinde, sind mit dem selben Bus in die Volksschule gefahren und sind in den gleichen Zug gestiegen, der uns in die Stadt brachte. Unser Blick zurück ist ein launisches Wechselspiel aus Abstand-Halten und Genau-Hinsehen. Wie eine außerirdische Landschaft betrachtet Julians Kamera das Landfriedtal, die Feistererscharte, den Jungfrauensteig. Außerirdisch kommt man sich vor, wenn man selten daheim ist. Julian und ich, wir kreisen wie UFOs über unserer Kindheit in Ramsau am Dachstein.

Alles Liebe,
Paul

Liedtext

Wir san die Kinder vom Meer 
San kemma mit’m ersten Schiff
Tauft im soizigen Wasser

Wir san die Kinder vom Meer
Segn die oiten Bam brenna
Die Kadaver am Strand
Malen uns Augen auf die Stirn
Fingernägel schworz

Wir san die Kinder vom Meer
Steigen ausm Körper unserer toten Muatter

Wir schaun so lang in die Sunn
Bis flimmern, die Augen
Starren des gonze Leben long
Ins tiafe Schwoaz
Wir hom koa Ongst
Do unt san mehr von uns

Wir san die Kinder vom Meer 
Trogen Woiken wie Kleider
Über d’ obgstreifte Haut
Ohne Fleisch
Ohne Knochen
Ohne Venen
Ohne Bluat

Wir san die Kinder vom Meer 
San da Trost fia dein Herrgott
Nehman eam bei da Hond
Hoitn die Wöt zom
Wo’s ausandonda klafft